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Unser Marathon-Mann

 
Dass Herr Schuster am letzten Berlin-Marathon teilgenommen hatte, wurde zum Anlass eines Interviews. Dazu gibt es nicht viel zu sagen, man sollte es einfach lesen:

 

Schüler: Also, erst mal vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben!

Herr Schuster: Gerne!

S: Ja, dann wollen wir auch gleich anfangen: Seit wann betreiben Sie diese Sportart, also das Marathonlaufen, und wie sind Sie dazu gekommen?

HS: Das kommt daher, dass ich schon als Schüler gemerkt habe, dass ich ganz gut in Ausdauersportarten bin - mit einem 1000-Meter-Lauf habe ich mir z.B. beim Abi die Eins vor dem Komma gesichert. Und dann wollte ich einfach irgendwann wissen, ob ich es schaffen würde, einen Marathonlauf durchzustehen. Das war am Ende meines Studiums, vor ungefähr 15 Jahren, da hab' ich‘s einfach probiert, mich gründlich vorbereitet und bin dann 1987 in Essen meinen ersten Marathon gelaufen, gleich in einer sehr guten Zeit. Vor 6 Jahren habe ich Anschluss an die LAV Tübingen gefunden, in der sehr viele gute Läufer sind. Bis vor kurzem ist ja auch Dieter Baumann für die LAV gestartet. Die Konkurrenz im Verein spornt natürlich an und seitdem betreibe ich dieses Hobby intensiver, laufe regelmäßig und bin jetzt meinen 5. Marathon gelaufen.

S: Und trainieren Sie sehr viel?

HS: Wenn ich mich nicht gerade auf einen Marathonlauf vorbereite, dann laufe ich meistens 3- bis 4-mal die Woche, wenn ich mich auf einen Wettbewerb vorbereite, ungefähr 5- bis 7-mal, so dass ich dann über 100 km in der Woche laufe.  

 

S: Wie bereitet man sich eigentlich auf einen Marathon vor?

HS: Natürlich muss man viel laufen, aber auf die richtige Mischung kommt es an: Man darf keinesfalls zu schnell trainieren. Der Kniff besteht darin, sich während des Trainings von den Läufen auch wieder gut zu erholen und das erreicht man durch ganz langsame, lange Läufe. Die längsten Trainingsläufe gehen auch schon mal über 30 km hinaus. Dabei verliert man zugleich an Körpergewicht und jedes fehlende Kilo wirkt sich in Minuten und Sekunden aus. 

S: Bei welchen Wettbewerben haben Sie denn mitgemacht?

HS: Ich habe bei einer großen Zahl kürzerer Läufe mitgemacht, ab 3000m, häufig 10 km oder Halbmarathon. Auf diesen „kurzen“ Strecken laufe ich jetzt schneller als in meiner Zeit als Jugendlicher. In den letzten Jahren war ich immer beim Stuttgart-Halbmarathon dabei. Marathon bin ich in Frankfurt, Hamburg, meiner Heimatstadt Heilbronn und zuletzt in Berlin gelaufen. Etwas ganz Besonderes war der Swissalpine Bergmarathon bei Davos vor 4 Jahren über 78,5 km und mehr als 2000 Höhenmeter. Das war tierisch anstrengend, aber ein unvergessliches Erlebnis.

S: Und wie hat es Ihnen jetzt speziell bei dem Berlin-Marathon gefallen?

HS: Auch der Berlin-Marathon war für mich großartig. Ich hatte mich etwa ein Vierteljahr darauf vorbereitet. Nachdem ich im letzten Jahr wegen einer Verletzung dort nicht starten konnte, war ich dieses Jahr umso heißer darauf, an den Start zu gehen. Ich wollte endlich wissen: „Wie ist es in Berlin?“ Ich hatte gehört, dass der Berlin-Marathon von der Atmosphäre her der beste sei. Außerdem ist die Strecke flach und damit schnell. Ja, und so war‘s dann auch, Berlin war ein super Erlebnis. Am Kanzleramt und am Reichstag vorbeizulaufen, kurz vorm Ziel durchs Brandenburger Tor - das ist einfach toll, wenn man so was als Läufer erlebt. Wenn man da läuft und Tausende von Leuten stehen am Rand und klatschen, da kann man richtig Gänsehaut kriegen. Der Applaus treibt einen vorwärts, man fängt an zu fliegen. Am stärksten war das auf dem Ku'damm in Berlin - ich war da schon oft als Tourist im Großstadttrubel, und dann rennt man da mitten auf der Straße, links und rechts stehen die Leute Spalier und feuern die Läufer an. Da hebt man richtig ab! (lacht)

S: Wie lang ist der Berlin Marathon eigentlich? 

HS: Jeder Marathon ist gleich lang. Die großen Marathon-Wettbewerbe finden alle auf vermessenen Strecken statt, das sind 42 km und 195 Meter. Das ist die international anerkannte Wettkampfdistanz für Marathonläufe.

S: Und was denkt man so beim Laufen, wie kann man so einen Lauf überhaupt überstehen?

HS: Wichtig ist natürlich, dass man sich das Tempo gut einteilt. Beim Berlin-Marathon war ich zum Glück so gut trainiert, dass ich am Anfang sogar eher im Zweifel war, ob ich nicht zu schnell sei. Ich musste mich richtig zügeln, schön langsam zu laufen. Jeder Marathonläufer rechnet sich vorher aus, welche Durchschnittszeit er pro km laufen muss und diese Zeiten kontrolliert man anhand der Kilometerangaben an der Strecke. Bei mir lief es einfach sehr gut. Nach ca. einer Stunde kam ich in das so genannte „Runner´s High“. Das ist so eine Art Rauscherlebnis, viele kennen das vielleicht vom Skifahren, man kann es jedoch auch bei anstrengenderen Sportarten, wie zum Beispiel beim Laufen erleben. Da spürt man die Anstrengung nicht mehr, erst auf den letzten 5-7 km wurde es dann etwas schwieriger. Aber weil ich wusste, dass ich meine persönliche Bestzeit deutlich verbessern würde, lief ich natürlich schon in der Vorfreude auf die neue Bestzeit und das hat mich zusätzlich beflügelt.  

 

S: Und wie lang sind Sie dort insgesamt gelaufen?

HS: Jetzt in Berlin konnte ich mich um zweieinhalb. Minuten gegenüber meiner früheren Bestzeit verbessern und hab´  2 Stunden, 42 Minuten und 15 Sekunden gebraucht. Insgesamt war das Platz 207 von ca. 36000 (!!!) Teilnehmern. Aber das Beste war das Erlebnis, die Zeit alleine zählt nicht. Es hat mich mehrere Wochen nach dem Lauf immer noch mit Glück erfüllt und mich die Strapazen der Schule leichter ertragen lassen (lacht).

S: Also wie man sieht, hat es Ihnen gut gefallen! Haben Sie auch vor, erneut daran teilzunehmen?

HS: Also, Berlin werde ich in den nächsten Jahren sicher nicht laufen. Diese tolle Erlebnis lässt sich nicht wiederholen. Aber es gibt viele andere interessante Läufe. Eventuell laufe ich mal den Zermatt-Marathon zur Hörnli-Hütte am Fuß des Matterhorns hinauf. Oder ich geh´ mal nach New York, wenn's gerade mit den Herbstferien passt und ich genügend Zeit zur Vorbereitung habe.

S: Zum Schluss noch die Frage, die kommen muss, die Gretchen-Frage:  Sie sind ja Religionslehrer hier an der Schule. Was hat denn Ihr Hobby mit Ihrem Glauben zu tun, wenn es überhaupt etwas damit zu tun hat?

HS: Ich würde es nicht direkt mit dem Glauben in Verbindung bringen, aber natürlich gibt es bei genauerem Hinsehen eine Verbindung. Ich bin einfach dankbar dafür, dass ich dieses Talent, solche Strapazen auf mich zu nehmen, habe und ich möchte aus meinen Talenten das Beste machen. Ich glaube, das ist ganz im Sinne der Bibel. Ich bin Gott sehr dankbar dafür, dass ich so etwas tun kann.

S.: Dann wünschen wir Ihnen, dass Sie noch oft an spannenden und interessanten Läufen teilnehmen können.

HS: Danke auch für das nette Interview.

(Interviewer waren Markus Gackstatter und Tim Preukschat)  


 

 

 

 

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