Schüleraustausch mit China

 

10 Tage in der Stadt, die niemals schläft – Bericht vom Chinaaustausch 2008

Wie ja sicherlich schon allgemein bekannt, gibt es an unserer Schule schon seit Längerem die Möglichkeit, im Rahmen des Schulprojektes „China – Sprache Wirtschaft Kultur“ Chinesischunterricht zu besuchen und für Fortgeschrittene an einem Schüleraustausch mit einer Schule in Peking teilzunehmen. Im Herbst 2008 startete bereits die zweite Gruppe zu einer aufregenden Reise nach Beijing, wie Peking auf Chinesisch heißt.
17 Schüler und Schülerinnen der verschiedenen beteiligten Gymnasien (HHG, OHG, Georgii- Gymnasium Esslingen) und zwei Lehrer, darunter unsere liebliche Chinesischlehrerin Ju Wang- Sommerer, machten sich am 19. Oktober für zehn Tage auf die weite Reise. Auch wenn die neun Stunden Flug uns ganz schön an die Substanz gingen, versuchten wir, unser Bestes bei der Vorstellung vor der gesamten Schülerschaft der „High School affiliated to Beijing University“ zu geben. Im Gegensatz zu unserer deutschen Schule wird dort jeden Morgen eine Schülerversammlung auf dem schuleigenen Sportplatz abgehalten. Um die 2.500 Schüler in Uniform unter einen
Hut zu bekommen, ist Disziplin das oberste Gebot. Bald schon fanden wir heraus, dass Chinesen ein höfliches, introvertiertes, aber sehr freundliches Volk sind, wobei die meisten nach den ersten Schocksekunden angesichts von uns „Ausländern“ schnell auftauten. Wir wurden meist direkt und ohne Umschweife über private und allgemeine Fragen, das Leben in Deutschland betreffend, befragt.

Von der Schule organisiert, wurde uns jeden Tag ein ausgiebiges Programm geboten, sodass wir am Ende unseres Austauschs ziemlich alle Touristenhochburgen besichtigt hatten. Darunter waren natürlich die Große Mauer, der Sommerpalast, die Verbotene Stadt, der Platz des Himmlischen Friedens und das Olympiastadion. Außerdem
wurde uns die chinesische Kultur mittels verschiedener Aktivitäten im Unterricht näher gebracht. So durften wir uns in chinesischer Kalligrafie versuchen, Masken für die chinesische Oper malen oder uns in Tai Chi üben. Stadtbummel- no risk, no fun! Stadtbesuche waren eine Sache für sich. Die Sonne war teilweise nur eine schwach leuchtende Kugel hinter grauen Smogschwaden. Hierfür sorgen die circa 3 Millionen Autos und 600.000 Taxis, die die chinesische Metropole tagtäglich durchqueren. Die 11 Millionen Fahrradfahrer und Fußgänger bildeten in diesem Chaos eine Symbiose mit den motorisierten Verkehrsteilnehmern. Wir Deutschen waren jedoch aus dieser Gemeinschaft unüberwindbar ausgeschlossen, da wir uns sogar bei grünen Ampeln und helfenden Verkehrspolizisten nicht über die Straße trauen konnten. In China ist „rot“ nämlich nur eine unverbindliche Empfehlung. Positiv daran war jedoch, dass die Kalorien der häufigen McDonalds- Besuche deshalb keinem allzu
lange auf den Hüften lasteten. Wir gestehen, mit dem Kantinenessen hatten wir zum Teil unsere Schwierigkeiten. Es war genau so wie in Deutschland, aber eher für die sehr Hungrigen.

Um keine allzu schlechten Erfahrungen, das chinesische Essen betreffend, mit nach Hause nehmen zu müssen,
haben wir am Wochenende in den Familien noch die echte chinesische Küche kennenlernen dürfen, die uns alle durchweg überzeugte. Beim Einkaufen hatten wir Deutschen zunächst Hemmungen, die allgemein niedrigen Preise der chinesischen Produkte noch weiter herunterzuhandeln. Diese Hemmungen verflüchtigten sich jedoch schon bald, woraufhin wir uns Kleider schneidern ließen, lederne Markengeldbeutel für 1 € und sonstigen Kitsch kauften, da der Preis uns jede Vernunft raubte. Frei nach dem Motto: mit 150 € hin, mit 30 kg Fluggepäck zurück, kamen wir nach 10 Tagen spät nachts im herrlich nach frischer Luft duftenden München an. Im 9. Stock des schuleigenen Gästehauses lag unser Quartier.

Wir fühlten uns sofort wohl in den großen, hellen und modern eingerichteten 2-Bett-Zimmern.
Die Schule liegt mitten in einem Stadtgebiet. Dennoch sorgt eine großzügige parkähnliche Anlage auf dem Schulgelände dafür, dass der allgegenwärtige Smog, der sich in zentimeterdickem Staub auf alles legt, erträglich bleibt. Jeder von uns trug sein Päckchen an mehr oder weniger wertvollen Erfahrungen nach Hause.
China hat uns alle überwältigt!

Danke an alle, die uns dieses außergewöhnliche Erlebnis ermöglicht haben.
(Jenny Bauer, Abitur 2009)