Laut, lauter, am lautesten - Schüler erstellen "Nellinger Lärmkarte"
Im Schuljahr 2008/09 setzten sich die drei 9er Klassen im NwT Unterricht ein halbes Jahr mit der Thematik "Schall und Lärm" auseinander. Ein Schwerpunkt dieses Unterrichtsmoduls war die Erstellung einer Lärmkarte Nellingens. Dazu teilten wir Nellingen in drei Sektoren, die jeweils einer Klasse zugeordnet wurden. In jedem Sektor wurden 40 Messpunkte festgelegt, an denen an vier Terminen die Lärmpegelmessungen vorgenommen wurden. Für jeden Messpunkt lagen beim Abschluss der Messungen 80 Messwerte vor, die dann gemittelt wurden. Diese Mittelwerte bildeten die Datengrundlage der "Nellinger Lärmkarte". Auch wenn das Ergebnis für einen ersten Versuch durchaus beeindruckend ist, so erkennt man auf den zweiten Blick noch einige Optimierungsmöglichkeiten für die Auswahl der Messpunkte (in der Karte als schwarze Punkte vermerkt). Da die Software für die Erstellung der Lärmpegel die Farbgebung für die Flächen zwischen zwei Messpunkten aus den Werten der angrenzenden Messpunkte interpoliert, entsteht durch zu große Abstände von Messpunkten auf den Hauptverkehrsstraßen ein falscher Eindruck. Die Hindenburgstraße erscheint über die gesamte Länge als ein Lärmschwerpunkt Nellingens, während die Esslinger bzw. Denkendorfer Straße aufgrund zu großer Abstände der Messpunkte "ruhige Inseln" aufweisen, was mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, sondern ein Artefakt der Darstellungsmethode ist. Beim Fehlen von Messpunkten auf der Hauptstraße werden die Werte der nahe liegenden Messpunkte in den ruhigeren Nebenstraßen für die Farbberechnung herangezogen. Entsprechend ergeben sich auch am Rand der Karte verzerrte Darstellungswerte, so z. B. im Bereich des Kreisverkehrs beim Ortsausgang Richtung Denkendorf.
Überraschung: Lärmspitzenreiter sind nicht die Flugzeuge, sondern...
Die Klassen haben sich die Messvorschriften selbst erarbeitet und in gründlichen Diskussionen optimiert, sodass das Ergebnis Aussagekraft hat und den durchschnittlichen Lärmpegel zum Zeitpunkt der Messungen wiedergibt. Interessanterweise stammten die gemessenen Lärmspitzen nicht von startenden oder landenden Flugzeugen, sondern von Lastwagen. Das galt selbst dann, wenn die Lärmpegelmessgeräte in Richtung der Flugzeuge gehalten wurden und nicht wie beim eigentlichen Messvorgang horizontal in 1 Meter Höhe zur Straße hin. Messungen in Schlafzimmern im ersten oder zweiten Stock würden hier vermutlich deutlich andere Ergebnisse liefern. Noch höhere Lärmpegel als in den Hauptverkehrsstraßen haben wir im Klassenzimmer gemessen. Übrigens, die Spitzenwerte unserer Messungen stammten aus den MP3-Playern der Schüler, die alle durchweg über den Werten der lautesten Nellinger Messpunkte lagen.
(Thomas Schuon)
Darstellung des durchschnittlichen Lärmpegels in Nellingen auf einer Grundkarte von Google Earth:
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