Ein Blick in die
Welt der Mathematik

Wo immer es um „Moos“ geht, kommt Mathe ins Spiel. Und wer kann schon ohne „Moos“? Für Tante Emma jedenfalls war es in ihrem Laden noch selbstverständlich, die Kaufsumme für die Kunden auf dem Block in Nullkommanix auszurechnen. Nach Ladenschluss kümmerte sie sich um die Buchhaltung, trug Zahlen in ein großes Buch in die richtigen Spalten ein, rechnete mit Dreisatz und Prozentrechnung aus, was dem Finanzamt gehörte, feilschte mit dem Großhändler um Rabatte. Welt der MathematikKurzum: Mathematik gehörte für Tante Emma zum täglichen Leben und Überleben. Tante Emma ist inzwischen längst im Ruhestand. Mathematik ist für ihre Enkel jedoch nicht weniger wichtig, auch wenn sie häufig nicht mehr in der Lage sind, eine Kaufsumme von Hand in der gleichen Geschwindigkeit wie Tante Emma auszurechnen. Die notwendigen Berechnungen laufen heute im Verborgenen und automatisiert ab. Die Maschinen erledigen das schneller und fehlerfreier, als selbst Tante Emma das früher konnte. Computer und Taschenrechner erlauben uns, im täglichen Leben weitgehend auf die mathematischen Grundfähigkeiten verzichten zu können. Die Programmierung der Maschinen, die uns die Last abnehmen, überlassen wir den Experten, die Mathematik können.

Zurück bleibt aber allzu oft das Gefühl des Ausgeliefertseins an die Maschine und an die Experten. Doch gegen dieses Ohnmachtsgefühl lässt sich etwas tun: Die Mathematik hinter den Kulissen kann erkundet werden. In vielen alltäglichen Situationen, in denen wir gar nicht mehr damit rechnen, steckt Mathematik drin. Wenn man genauer hinschaut, kann man sie entdecken. Dazu braucht man keinesfalls einsam am Schreibtisch zu sitzen. „Ich hätte da noch ’ne Idee!“ – Mathematik ohne Grenzen. Aber nicht nur, wenn es ums Geld geht, ist Mathe gefragt. Mathematik steckt hinter vielem. Eine Möglichkeit, die Mathematik in Alltagssituationen zu entdecken und sich kreativ damit auseinanderzusetzen, bietet der Wettbewerb Mathematik ohne Grenzen. Bereits zum vierten Mal nahm das Heinrich-Heine-Gymnasium an diesem internationalen Schülerwettbewerb teil, um dessen Durchführung sich im Regierungsbezirk Stuttgart Kolleginnen und Kollegen unserer Schule kümmern. Die erste Runde des Wettbewerbs 2009 fand am 10. Februar statt. Mit rauchenden Köpfen saßen die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9a, b und c, 10a und 10c sowie aller Klassen der Jahrgangsstufe 11 über den kniffligen Aufgaben, die innerhalb von zwei Stunden im Team zu lösen waren. Die Zeit war also knapp und gute Teamarbeit war gefragt. Wie immer musste eine Aufgabe in einer Fremdsprache gelöst werden, die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer entschieden sich für Englisch. Allein in Nordwürttemberg beteiligten sich insgesamt 235 Klassen und damit rund 6100 Schülerinnen und Schüler an der ersten Runde dieses Wettbewerbs. „Der Wettbewerb erweist sich als voller Erfolg. Gegenüber dem Vorjahr haben die Anmeldezahlen noch mal um fast ein Drittel zugelegt. An vielen Schulen ist der Wettbewerb inzwischen fest etabliert“, freute sich Studiendirektor Karl Streif, der diesen Wettbewerb in Nordwürttemberg mit Erfolg einführte. Es gab also große Konkurrenz für die Schülerinnen und Schüler des HHG, die sich alle wacker schlugen und beachtenswerte Plätze belegten. In der Klassenstufe 9 erreichte die Klasse 9b von insgesamt 69 Klassen den 14. Platz, die 9a den 18. Platz und die 9c den 30. Platz. In der Klassenstufe 10 traten 61 Klassen an. Hier schaffte es die 10a auf den 36. Platz und die 10c auf den 47. Platz. Besonders zahlreich war die Konkurrenz für unsere Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe. Sie mussten mit insgesamt 102 Klassen konkurrieren. Die Klasse 11d konnte sich dabei den 48. Platz sichern. Die 11c errang Platz 62, die 11a Platz 86 und die 11b Platz 101. Die große Finalrunde und die Siegerfeier für die drei bestplatzierten Klassen pro Jahrgangsstufe fanden am 13. Mai im Neuen Schloss in Stuttgart statt und wurden ebenfalls durch Lehrkräfte des HHG gestaltet. Finanziert wird der ganze Wettbewerb übrigens durch Sponsoren aus der Wirtschaft, gerade auchaus der Region Ostfildern und Stuttgart, sowie vom Kultusministerium.

Schließlich ist mathematischer Nachwuchs gesucht! „Lauf, so schnell du kannst!“- Lange Nacht der Mathematik Dass Mathematik nicht unbedingt in aller Ruhe und am Schreibtisch stattfinden muss, zeigte eindrucksvoll die Lange Nacht der Mathematik. Bei diesem Klassenwettbewerb, der anlässlich des Jahres der Mathematik 2008 am Abend des 28. November für die Klassen 5 bis 8 des HHG veranstaltet wurde, traten insgesamt 400 Schülerinnen und Schüler gegeneinander an.

Lange Nacht der M

In Einzel- und Gruppenwettbewerben ging es dabei um das Lösen von kniffligen Matheaufgaben, bei denen vor allem Vorstellungsvermögen, Strategie und logisches Denken gefragt waren. Es traten jeweils die Klassen zweier Klassenstufen gegeneinander an, also 5/6 sowie 7/8. Der Wettbewerb wurde in zwei Teilen durchgeführt: Während die einen in ihren Klassenzimmern in Teamarbeit über den kniffligen Aufgaben brüteten, mussten die anderen in der Aula Schnelligkeit beweisen. Hier wurden von jeder Klasse die schnellsten Rechner bestimmt, die als Vertreter ihrer Klassen Aufgaben so schnell wie möglich lösen mussten. Indem die Tische, an denen die Aufgaben gelöst wurden, so weit wie möglich von der „Jury“ entferntaufgestellt waren, mussten die Schülerinnen und Schüler zur Abgabe ihrer Lösungen um die Wette rennen. So kamen die Schülerinnen und Schüler nicht nur aufgrund der kniffligen Aufgaben ins Schwitzen. Manche hatten sich im Unterricht schon ein wenig auf die „Lange Nacht“ vorbereitet, andere versuchten einfach so ihr Glück. Doch für alle galt: Wer in der Klasse gut zusammenhielt und sich gegenseitig unterstützte, der hatte in den Gruppenwettbewerben klar einen Vorteil. Trotzdem war die Anspannung groß. Nach der ersten Runde waren die Gefühle gemischt. Eine Pause und belegte Brötchen sorgten für Erholung und frische Energie, bis es dann mit dem 2.Teil des Wettbewerbs weiterging. Die Abwechslung zum normalen Matheunterricht war bei den Schülern sehr willkommen und sogar Mathemuffel hatten sehr viel Spaß. Abgeschlossen wurde der Abend mit der Siegerehrung, die alle gespannt erwarteten.

SiegerAuf Platz 1 im Wettbewerb der Klassenstufe 5/6 landete die Klasse 6b, auf Platz 2 die Klasse 6c und auf dem 3. Platz die Klasse 5b. Bei den Klassen 7/8 siegte die Klasse 8c, vor der 8a und der 8d (beide 2. Platz). Schulleiter Thomas Kirchberger überreichte den Klassensprechern ihre Siegerurkunden und allen anderen eine Teilnehmerurkunde. Die „pfiffigsten Denker“ des HHG erhielten je 150 Euro für die Klassenkasse, die Plätze 2 und 3 wurden mit 70 bzw. 30 Euro belohnt, welche vom Verein der Freunde gestiftet wurden. Außerdem bekamen die glücklichen Gewinner einen Ehrenplatz an der „Wall of Fame“ des HHG. Was haben ein Student der Psychologie und Bill Gates gemeinsam? Die Begeisterung und der Erfolg, mit der die Schülerinnen und Schüler an den beiden Mathewettbewerben teilgenommen haben, zeigt, dass es immer wieder eine faszinierende und irgendwie „coole“ Sache ist, eine knifflige mathematischeAufgabe zu lösen. In Mathematik fit zu sein, eröffnet darüber hinaus heutzutage auch interessante berufliche Perspektiven. Experten in dieser Disziplin sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragte Leute. Dabei ist es kaum zu glauben, wofür man Mathematik so alles braucht. Klar, Bänker, Techniker und Ingenieure müssen rechnen können. Spielbanken errechnen mithilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung ihre Gewinnaussichten, Marketingleute errechnen damit den möglichen Bedarf. Aber auch in anderen Bereichen, in denen man es nicht unbedingt erwartet, wird Mathematik benötigt. Wenige wissen beispielsweise, dass ein Studium der Psychologie gute Mathekenntnisse verlangt. Kein Studium wird so oft abgebrochen wie das Studium der Psychologie, weil womöglich viele Studienanfänger nicht damit rechnen, für die statistische Auswertung eines Fragebogens Mathematik zu brauchen. Auch wer sich für ein Studium der Biologie begeistern kann, sollte mit Mathe „rechnen“. Und wer ganz hoch hinaus will: Auch ein Bill Gates hätte ohne Mathekenntnisse wohl kaum sein Software-Imperium aufbauen können. Wie schon eingangs dargelegt, letztlich kommt kein Boutique- oder Ladenbesitzer, kein Tankwart und kein Handwerker in seinem Beruf ohne grundlegende mathematische Kenntnisse aus – Tante Emma lässt grüßen. Auch wer meint, beruflich völlig auf Mathematik verzichten zu können, braucht sie hin und wieder. Es ist einfach beruhigend,
wenn man das Gefühl für Prozente und Größenordnungen bewahrt hat. Sonst stimmt man irgendwann überglücklich zu, wenn einem der eigene Chef mit strahlendem Lachen eine Lohnerhöhung von 0,25 Prozent für ein Viertel mehr Arbeitszeit vorschlägt. Oder man beschwert sich, wenn man „nur“ ein Viertel statt eines Fünftels
des Kuchens erhält. Es könnte eine Vielzahl weiterer Situationen angeführt werden, in denen eine grundlegende Kompetenz im Umgang mit Zahlen unabdingbar ist: vom Geldwechsel im USA-Urlaub bis zum Sommerschlussverkauf in Stuttgart. Womit letztlich bewiesen wäre: Ohne Mathe geht nix!

(Autoren: Karl Streif, Petra Enz-Meyer, Jennifer Hof, Daniela Weisbarth, Paul Jatzwauk)